Personal skills: Verständigungsprobleme
Deutsche und Amerikaner reden aneinander vorbei
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Harald Weiss
Worte haben unterschiedliche Bedeutung - vor allem in der Kommunikation mit Amerikanern. Wer erfolgreich mit Silicon Valley reden will muss vor allem die Denkunterschiede berücksichtigen.

"I tried to install your patch but you made some errors in your instruction", schrieb Klaus-Peter Berger seinem amerikanischen Admin-Kollegen Paul Cheek zurück. Danach folgte in seiner Email eine sehr ausführliche Erklärung darüber, wo die US-Anweisung mehrdeutig gewesen ist und zu fehlerhaften Arbeitsschritten führen könnte. Als Antwort bekam er nur eine kurz angebundene Frage: "Is the system running properly?" Später wunderte sich Berger, warum Cheek ihm bei allen Meetings aus dem Weg ging und auch bei seinen Chefs kein gutes Haar an ihm ließ.

Was Berger nicht wusste war, dass er nach den Regeln amerikanischer Business-Kommunikation einen unverzeihlichen Fehler begangen hat, in dem er eines der "nicht-benutzbaren" Worte verwendet hat. Wer einem Kollegen oder Partner einen "Error" oder einen "Mistake" vorwirft, knallt ihm den Fehdehandschuh vor die Füße. Von jetzt an gibt es kein Pardon mehr, Kommunikation ist ab sofort nur noch ein du-gegen-mich!

Wie also hätte Berger reagieren sollen? Das hängt davon ab, wie schwer wiegend die fehlerhaften Anweisungen waren. Waren die Fehler offensichtlich (erst rebooten, dann installieren...), hätte er gar nicht reagieren brauchen. Amerikaner denken ergebnisorientiert - nicht prozessorientiert. Es ist völlig egal, wie die Kiste wieder zum Laufen kam, Hauptsache, sie funktioniert wieder. Wenn Berger die Fehler selbst erkannt hat und umgehen konnte, wird jedes noch so geschickt formuliertes Feed-back nur als deutsche Besserwisserei interpretiert. Sind die Fehler für Berger nicht erkennbar und er kommt mit der Installation nicht klar, wird er automatisch die amerikanische Form der Kritik wählen: Die Frageform! "Paul, do I really have to reboot before installing ... ?" Falsch wäre: "Paul, I think you gave me a wrong advise?" - dann ist?s vorbei mit der Verständigung! Amerikaner sind generell auf positive Kommunikation eingestellt. Man kann als Deutscher in einem Brief, einer Email oder einem Telefonat niemals zu wenig "thank you", "please", "can you", "would you", "could you" oder "looking forward" verwenden. Was für uns Deutsche dabei als maßlose Übertreibung oder kitschige Höflichkeit angesehen wird ist für Amerikaner völlig normal.

Hierzu gehört auch die für Deutsche normalerweise schwer erkennbare Form einer Absage. Während es im Deutschen völlig ok geht, wenn man eine Email mit folgendem Text erhält: "Ich habe über Ihre Vorschläge nachgedacht und glaube nicht, dass sie sinnvoll umsetzbar sind." Im Amerikanisch würde eine solche Wortwahl als hochgradig beleidigend wirken. Hier bekäme man als Antwort: "Thank you so much for submitting these very interesting ideas. As you know the focus of our group for this year is so and so? However, I will discuss this matter with some friends and maybe ?"

Ähnlich ist die Situation wenn man ein Produkt oder einen Service reklamiert. Wer mit dem Satz beginnt: "Dein Produkt/Service taugt nichts!?, braucht sich gar nicht erst zu beschweren, er bekommt sowieso keine Hilfe mehr. Zur Erinnerung: Positiv beginnen. "Ich habe euer tolles Sonderangebot genutzt und mir eure neue Harddisk gekauft. So ein tolles Angebot hätte ich niemals von euch erwartet – aber sagen Sie: Ist es normal, dass nach der Installation Flammen aus dem Drive schlagen?" Wir lachen darüber, aber: "Andere Länder, andere Sitten!" In diesem Zusammenhang muss man noch darauf hinweisen, dass alle hier beschriebenen Regeln nur in der Kommunikation mit Amerikanern gelten. Doch nicht jeder der in einem amerikanischen Unternehmen Englisch spricht ist auch Amerikaner. Häufig landen die Anrufe bei der Hotline in Irland, Indien oder Lateinamerika, ohne dass es der Anrufer merkt. Hier gelten natürlich andere Kommunikationsregeln als bei einem Gespräch ins Silicon Valley.

Und zum Schluss muss man natürlich noch der Frage nachgehen: Warum soll man sich als Deutscher an die Amerikaner anpassen, und nicht umgekehrt? Die Antwort ist ganz einfach: Weil Amerikaner nur mit denen gerne zusammen arbeiten, von denen sie auch gut verstanden werden. Ein solches einseitiges Denken ist nicht neu. Als die Römer den Welthandel bestimmten, war Latein die Business-Sprache, und als Deutschland die führende Macht in der Chemie war, war Deutsch die dort vorherrschende Sprache, so wie es Französisch noch immer in der Kochkunst ist.
Heute dominieren den weltweiten ITK-Markt US-Unternehmen. Wer also darauf hofft, dass sich amerikanische IT-Experten an deutsche Denkweisen anpassen, sollte sich schon mal nach einem Job in einer anderen Branche umsehen.



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