Autoindustrie: Sanierungspläne verlangen Zustimmung der Gewerkschaft
US-Gewerkschaften in der Krise
Herold Wynter
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Die Gewerkschaften sind bei US-Konzernen auch der Verhandlungspartner wenn es um Renten und Krankenversicherung geht, doch trotz dieser großen Bedeutung geht deren Einfluss rapide zurück.

Schon wenige Stunden nach der Ankündigung der massiven Entlassungspläne bei General Motors reagierte Amerikas Automobil-Gewerkschaft UAW mit unerwarteten unternehmerischen Ratschlägen an den GM-Chef Rick Wagoner. "Das Problem bei GM ist nicht mit dem üblichen Gesundschrumpfen zu lösen, sondern nur mit der Rückgewinnung von Marktanteilen im heimischen Markt", sagte deren Sprecher Richard Shoemaker. Seiner Ansicht nach habe es GM in den letzten Jahren versäumt einen marktgerechten Produktmix sowie Fahrzeuge in einer Weltklassequalität und dem entsprechenden Design zu entwickeln.

"Eine schöne Rede halten und Massenentlassungen ankündigen um die Börse zu beeindrucken ist die eine Sache. Aber die vielfältigen Einflussfaktoren in den Griff zu bekommen, zu denen auch die für 2007 anstehenden Tarifverhandlungen gehören, ist etwas ganz Anderes", sagte Shoemaker über Wagoners Rede auf der GM-Hauptversammlung.

Die UAW gehört zu den großen US-Gewerkschaften und repräsentiert den größten Teil der GM-Belegschaft. Damit hat sich das GM-Management auf viele harte Verhandlungen mit der UAW einzurichten, denn Amerikas Gewerkschaften sind nicht nur der Vertragspartner bei den Lohnverhandlungen. Auch bei der Höhe der Altersversorgung und den Krankenkassenbeiträgen sind sie der Ansprechpartner, denn diese Leistungen werden bei allen US-Großunternehmen firmenintern geregelt und unterliegen damit der Vertragsfreiheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Schon seit Jahren versucht das GM-Management von seinen vertraglich vereinbarten hohen Zuschüssen zur Mitarbeiter-Krankenkasse herunterzukommen. Im letzten Jahr waren das stolze 5,6 Mrd. $; das ist der höchste Zuschuss in der US-Automobilbranche.

Amerikas Gewerkschaften sind keine politische Kraft und schließen auch keine brancheneinheitlichen Tarifverträge ab. Ihre Entstehung Anfang des vorigen Jahrhunderts geht nicht auf klassenkämpferische Motive zurück, sondern war viel mehr ein kartellähnlicher Schutz der beschäftigten Arbeitnehmer gegenüber den billigen Einwanderern. Damals wurden die Arbeitgeber, häufig mit Erpressung und Gewalt, gezwungen nur Gewerkschaftsmitglieder einzustellen. Und wer in die Gewerkschaft wollte musste hohe Eintrittsgebühren zahlen oder sich verpflichten einen Großteil seines Lohns an die Gewerkschaft abzuführen.

So entstanden tausende an Kleinstgewerkschaften, die zum Teil nur eine Firma oder nur ein Gewerbegebiet beherrschten. Blutige Rivalitätskämpfe schadeten dem allgemeinen Ansehen und erst mit dem rasanten Anstieg der Importe in den 70er-Jahren verschoben sich die Ziele der Gewerkschaften zu einer mehr ganzheitlichen Vertretung aller Arbeitnehmer. Die zunehmende Konzentration der Industrie sorgte dann auch bei den Gewerkschaften zu einer Konsolidierung.

Doch auch das ging nicht gewaltlos. Als Walter Reuther 1981 die damaligen Einzelgewerkschaften von Ford, Chrysler und GM in die UAW einbrachte wurde er von einer von der Industrie angeheuerten Schlägertruppe zum Krüppel geprügelt. Heute gehören zur UAW außerr der Automobilindustrie auch noch die Luft- und Raumfahrt sowie landwirtschaftliche Geräte und Einrichtungen.

Inzwischen aber sind die Gewerkschaftsbosse bestens ausgebildete Manager. Der heutige UAL-Chef Gettelfinger steht in puncto Großkonzern-Management seinen Vertragspartnern in nichts nach - was zu den gleichen Problemen wie bei den deutschen Gewerkschaften führt: Betriebswirtschaftlich Notwendiges bedeutet häufig empfindliche Einschnitte für einen Großteil oder für alle Mitglieder. Nach dem die US-Automobilindustie schon seit einigen Jahren in der Krise ist, ging auch der Anteil der UAW-Mitglieder von 68 % in 2000 auf derzeit 57 % zurück.

Mit ganz ähnlichen Problemen hat die Gewerkschaft der Telekommunikations-Arbeiter, CWA zu kämpfen die zuzeiten des amerikanischen Telefonmonopols die führende US-Gewerkschaft war. Auch hier haben die Probleme der TK-Anbieter dazu geführt, dass sich der Anteil der organisierten Mitarbeiter seit 1985 halbiert hat. Besonders hart traf es sie, als sich im Mai die Mitarbeiter von Comcast in einer vom Arbeitgeber durchgeführten Umfrage gegen einen von der Gewerkschaft ausgehandelten Pensionsvertrag aussprachen und sich stattdessen für ein für sie schlechteres Angebot des Unternehmens entschieden. "Wir sind überall nur noch am Verlieren", gestand Gewerkschaftsführerin Lisa Morowitz mit Tränen in den Augen vor laufenden TV-Kameras.

Hintergrund ist, dass auch Amerikas Gewerkschaften keine Lösung gegen die internationale Konkurrenz und die Arbeitsplatzverschiebung in Billiglohnländer haben. So ging der Anteil der organisierten US-Arbeitnehmer von 22 % im Jahr 1980 auf derzeit magere 12,5 % zurück.

Nur die Radikalen haben hüben wie drüben eine einfache Antwort. Die weltweit tätige linksradikale Organisation La Rouche mobilisierte nach dem Bekanntwerden der GM-Pläne ihre US-Mitglieder und fordert von George W. Bush eine sofortige Verstaatlichung der Autoindustrie.

New York, 8. Juni 2005



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